1953 – 2003

Am 12. März 1953 erschien die erste Ausgabe des täglichen Bulletins von Agence Europe. Wir feiern also unseren 50. Jahrestag. Für eine Presseagentur ist das schon ein beachtliches Alter. Aber das allein ist noch nichts Außergewöhnliches: Es gibt ältere Presseorgane, die mitunter schon viel länger existieren. Das Außergewöhnliche unseres Bulletins ist die Tatsache, dass wir genauso alt sind wie die erste Europäische Gemeinschaft, der Vorläufer der Europäischen Union von heute. Im Juli 1952 ist der Vertrag von Paris in Kraft getreten, aus der die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) hervorging, Anfang 1953 wurde zum ersten Mal die EGKS-Umlage erhoben, die erste europäische Steuer. Im Februar kam es zur Öffnung der Kohle- und Stahlmärkte innerhalb der sechs teilnehmenden Länder. Damit war die Vorgeschichte Europas beendet und der Eintritt ins Zeitalter des vereinten Europas erfolgt. Das Bulletin von Agence EUROPE begann mit seiner täglichen Aufgabe, den Weg dieser Geschichte treu zu begleiten.
Um zu verstehen, welche Bedeutung das Gespür von Lodovico Riccardi, dem Gründer von Agence Europe, und seines ersten Direktors Emanuele Gazzo hatte, muss man sich in Erinnerung rufen, dass niemand zur damaligen Zeit wusste, was in Luxemburg, dem Sitz der Hohen Behörde der EGKS, passierte: einige Depeschen, einige wenige Artikel in den Zeitungen, Unwissenheit und Desinteresse innerhalb der Öffentlichkeit. Und dennoch hatte eine kleine Gruppe von Personen die historische Tragweite der Geburtsstunde dieser supranationalen Behörde erkannt, die im Namen der Mitgliedstaaten die zwei Grundstoffindustrien verwaltete, die die Grundlage der Rüstung waren und die eigentliche Basis der Industrieländer bildeten. Dieses Ereignis machte einen Krieg zwischen den teilnehmenden Ländern für immer unmöglich und veränderte damit die Geschichte Europas und der Welt. Die erste supranationale Institution mit Entscheidungsbefugnissen sollte von einem unabhängigen Presseorgan begleitet werden, das Bericht erstattet über das Vorgehen der Gemeinschaft und die getroffenen Entscheidungen der Öffentlichkeit zugänglich macht. Hierin bestand die Herausforderung für Emanuele Gazzo und seine Mitarbeiter. Schnell kam zu den Informationen auch noch der Kommentar in Form eines täglichen Leitartikels.
Seitdem ist die Geschichte von Agence Europe untrennbar mit der Geschichte der europäischen Integration verbunden: die Entstehung der EWG und der EURATOM, die Beitritte der Länder, die sich nach und nach dem Kern der Sechs angeschlossen haben, die verschiedenen aufeinanderfolgenden Verträge. Im Hinblick auf die Informationsmenge hat die derzeitige Situation keinerlei Bezug mehr zu der von 1953. Heute ist der Verein der ausländischen Presse in Brüssel der zahlenmäßig größte weltweit, die Dokumente der Gemeinschaft stehen allen zur Verfügung: eine Flut von Tausenden von Seiten, die für jedermann schwer zu überblicken ist. Müsste man unserer Agentur nun einen Werbeslogan zuteilen, so würde der von 1953 folgendermaßen lauten: „Wenn Sie wissen möchten, was bei der Europäischen Gemeinschaft passiert, so müssen Sie Agence Europe lesen“. Heute würde er sich hingegen so anhören: „Wenn Sie sich innerhalb der Flut von Dokumenten, die die gemeinschaftlichen Institutionen Tag für Tag produzieren, orientieren wollen, wenn sie das Wesentliche vom Beiwerk trennen wollen, wenn Sie die Bedeutung der Entscheidungen, Abkommen und auch die Meinungsverschiedenheiten verstehen möchten, so sollten Sie Agence Europe lesen“.